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Port Elizabeth

Geografische Lage
Kontinent:Afrika
Staat:Südafrika
Provinz:Ostkap
Distrikt:Nelson Mandela Bay
Daten & Fakten
Höhenlage:0-60 m ü. NN
Fläche:1845 km²
Küste:16 km
Einwohnerzahl:1244900
Gründungsjahr:1820
Flughafen:Port Elizabeth Airport

When you come to South Africa you are a tourist…

8. Juli 2016 : | Geschrieben von

unspecified9E6P0081Es gibt ein Sprichwort für Besucher Südafrikas: „When you come to South Africa you are a tourist. If you stay for longer you become a racist.“ Diese Sentenz las ich im Flugzeug nach Johannesburg und war mir bisher nicht sicher, was damit gemeint ist. Im Zuge meines Freiwilligendienstes und der damit einhergehenden Reflektion habe ich mittlerweile erkannt, worum es geht. Das Ganze „Rainbow-Nation“-Bombast ist kaum mehr als eine Fassade bzw. eine Imagekampagne. Meiner Meinung nach leben die meisten Südafrikaner im Geiste immer noch in Zeiten der Apartheid. Heutzutage hat man alte Ansichten neu verpackt, so spricht man offiziell nicht mehr von Hautfarbe oder Rasse, sondern von der „Klasse“. Tatsächlich bezieht man sich mit diesem Wort auf genau die selben Menschen. Diese Leute „unterer Klassen“ sind angeblich unter der Würde eines Weißen. Laut ausgesprochen wird dies nur selten, stattdessen sind ein ständig präsenter „Alltagsrassismus“ und beiläufige Kommentare emphatische Indikatoren. Diesem Rassismus, von Seiten der weißen Südafrikaner, wird mit Rachegelüsten und „reverse racism“ seitens der schwarzen Südafrikaner begegnet. So zumindest meine Erfahrungen bisher. Letzteres wurde mir vor allem im Gespräch mit meinen älteren Schülern schmerzlich bewusst, die (teils) für mich überraschend hasserfüllte Einstellungen gegenüber der weissen Bevölkerung haben.

Doch nicht nur Schwarz und Weiß verfolgen diesen Disput. Mittendrin sind die Coloureds. Als Coloured (auf deutsch auch Farbiger oder Mischling genannt) werden vor allem in den Ländern Südafrika und Namibia Personen bezeichnet, die häufig sowohl nichteuropäischstämmige als auch europäischstämmige Vorfahren haben.

Die Coloureds bilden die dritte „Rasse“ in Südafrika und leben meist in gesonderten Wohnvierteln, so wie sich auch die weiße und schwarze Bevölkerung voneinander abgrenzt und haben sich ihre eigene, stark rassistisch geprägte Sphäre aufgebaut. Das Ergebnis, für mich, ist keine Rainbow-Nation, sondern eine (mindestens) dreifach geteilte Nation. Da man mit diesen Umständen täglich konfrontiert wird und diese auch als Europaer zu spüren bekommt, verfallen viele Menschen aus Trotz, weil sie es nicht besser wissen oder aus dem Bedürfnis heraus einer „Gruppe“ anzugehören, den gleichen rassistischen Denkmustern. Somit ist an dem zuvor genannten Sprichwort durchaus ein wahrer Kern.

Da ich Rassismus grundlegend ablehne, fällt es mir folglich schwer Sympathie für große Teile der südafrikanischen Gesellschaft zu entwickeln. Positiv fallen hier die Schüler der untersten Schulklassen auf, die unvoreingenommen, neugierig und offenherzig Kontakt aufzunehmen versuchen. Leider wird man allzu schnell eines Besseren belehrt, wenn man als Weißer, geht man auf diesen Kontakt freudig ein, als „weak spot“ angesehen wird. So wird man nicht wegen seines Charakters „geschätzt“ sondern wegen seines potentiellen Reichtums. Beispielhaft sind nach Geld fragenden Schüler oder grüßende Passanten auf der Straße, die augenblicklich nach Geld oder Zigaretten fragen, zu nennen.

Die Kombination aus dem beschriebenen Rassismus, der Armut und der daraus resultierenden Gewaltbereitschaft hat zur Folge, dass von mir geschätzte, moralische Grundwerte begraben wurden. Hierzu zählen vor allem Werte wie die Nächstenliebe und Zivilcourage.

Mit meinem Bericht möchte ich niemanden in seiner Ansicht bestätigen noch Reisende mit rassistischen Gedanken voreinnehmen. Mein Ziel ist es, als freiwilliger Entwicklungshelfer, ein realistisches Afrikabild zu vermitteln. So wunderschön dieses Land auch ist, möchte ich trotzdem zur Aufklärung beitragen und Reisende motivieren eigene Erfahrungen im Land der Kontraste zu sammeln.

 


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Ein Kommentar zu “When you come to South Africa you are a tourist…”

  1. Tobias schrieb am 8. Juli 2016 um 20:26 Uhr:

    Hallo Lukas,
    diesen Rassismus aufgrund der Bilder die in den Köpfen großer Teile der Bevölkerung über andere Bevölkerungsgruppen stecken und die starke Ungleichheit habe ich auch erlebt. Das ist in vielen Situationen erkennbar. Ich habe Südafrika dennoch als sehr farbenfroh nicht nur wegen seiner Einwohner kennengelernt und sehr viel Freundlichkeit seitens der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen erfahren, nicht nur als Tourist auf Reisen sondern auch im Alltag. Ich glaube, dass es viel Zeit braucht, bis sich Rassismus-Gedankengut ändert.


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