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Port Elizabeth

Geografische Lage
Kontinent:Afrika
Staat:Südafrika
Provinz:Ostkap
Distrikt:Nelson Mandela Bay
Daten & Fakten
Höhenlage:0-60 m ü. NN
Fläche:1845 km²
Küste:16 km
Einwohnerzahl:1244900
Gründungsjahr:1820
Flughafen:Port Elizabeth Airport

Trauer

5. Februar 2012 : | Geschrieben von

Der siebte Februar steht vor der Tür.
An diesem Tag ist es drei Monate her, dass meine Oma starb.

Sie war nicht nur meine Oma, sie war ebenso die Oma meiner Cousins und meiner Cousine. Sie war die Mutter meines Vaters und meiner Onkels. Sie war die Ehefrau meines Opas für 56 Jahre. Und sie war Nachbarin, Freundin und Schwester.

Und für mich war sie nicht nur meine Oma, sie war auch gleichzeitig eine Mutter. Dies ergibt sich aus meinen Familienumständen, auf die ich nicht näher eingehen werde. Im Sommer vergangenen Jahres war ich in das Haus meiner Großeltern eingezogen. Es ist das Elternhaus meines Vaters und seiner Brüder. Das Köhler-Haus. Hier treffen wir uns zu Weihnachten, Ostern und Geburtstagen, aber auch ohne speziellen Anlass. Es ist DER Ort, ein Mittelpunkt in Leben aller Mitglieder meiner Familie. Man muss sich nicht ankündigen, man kommt einfach vorbei, die Tür steht für uns Alle offen und man wird immer herzlich empfangen. Ich liebe dieses Haus! Hier war ich in meiner Kindheit, in meiner Jugend und so auch jetzt.

Meine Oma war stets ein Ansprechpartner, wenn man Probleme hatte, schenkte sie nicht nur ein, sondern zwei offene Ohren. Auch wenn sie aus einer anderen Generation stammte, so war sie doch modern. Sie verstand es mit der Zeit zu gehen. Sie war ein verständnisvoller und sehr liebevoller Mensch. Sie war immer für ihre Familie da.

Seitdem sie nicht mehr bei bei uns ist, fehlt etwas. Sie hat uns Vieles hinterlassen, ihre Liebe ist in uns Allen zu sehen! Ihr Lachen klingt mir immernoch in meinen Ohren und ich vermisse es. Ihr Optimismus und ihre Stärke sind unvergleichlich.
Sie fehlt mir.

Machmal höre ich ihr Lachen, das erwähnte ich bereits, oder ich sehe sie einfach nur vor mir sitzen, wie sie mir zuhört, während ich ihr etwas erzähle. Beim Frühstück, während ich den Tisch abräume und die Spülmaschine einräume zum Beispiel. Geduldig hörte sie mir immer zu, während ihre liebevollen Augen auf mir ruhten. Und wenn ich Probleme hatte oder es mir nicht gut ging, aus welchem Grund auch immer, niemals wäre es ihr zuviel gewesen, zuzuhören und Unterstützung anzubieten. Sie war immer für mich da.

Es ist hart zu verstehen, dass all das, was ich hier – in Südafrika – erlebe, sehe und (kennen-)lerne, dass ich ihr all das nicht erzählen kann. Dabei kann ich sie mir so gut vorstellen, wie sie mir zuhören würde, erstaunt sein würde, lachen würde, sich freuen würde. All die Fotos, Muscheln, getrockneten Blumen – all das hätte sie sich angeschaut und somit durch mich Etwas kennengelernt, dass sie in ihrem Leben nicht kennenlernen konnte: Einen weit enfernten Ort.

Der Grund, weswegen ich darüber schreibe ist der, dass ich daran erinnert wurde, dass ich trauere.

Dieser Verlust ist mit Abstand das Härteste, was ich bisher durchgemacht habe.
Da ist dieses Loch, das durch ihren Tod entstanden ist. Und wie ich das so einschätze, wird es nicht weggehen. Das Einzige was möglich ist, wird sein, dass ich einen Weg finde, dieses Loch zu akzeptieren.

Das Leben ist an den Tod gekoppelt. Das ist keine Weisheit, das ist Fakt und Jeder weiß es im Grunde. Doch Keiner mag es wahrhaben. Menschen gehen unterschiedlich damit um, sobald sie persönlich betroffen sind. Doch bin ich sicher, dass kein Mensch dabei nicht trauert, wenn sogar Elefanten trauern. Trauer ist egoistisch. Der Mittelpunkt des Trauerns ist man selbst.

Unmittelbar nach ihrem Tod habe ich anders empfunden als ich es jetzt tue. Vor knapp drei Monaten war ich schockiert. Ich hatte gar keine Ahnung, was ein Leben ohne sie bedeutet, war sie doch eine Konstante in meinem Leben. Mein Kopf war gelähmt, es war schwer bis kaum möglich für mich, konzentriert zu arbeiten. Dies ließ sich nur zu gut an meinen Leistugen ablesen.

Nun bin ich in Südafrika und an sich wäre sie sowieso nicht um mich herum, und dennoch beginne ich langsam, zu verstehen:
Denn mein Gehirn fängt an, zu arbeiten. Wie ein Auftauchen aus einer Wolke werden meine Gedanken wieder klarer, der Dunst verzieht sich. Unerwartet und plötzlich passiert es mir nun, dass ihr Bild vor meinen Augen auftaucht, ich höre sie sprechen und lachen. Durch Zufälligkeiten wie Gerüche, Geräusche, Schlüsselwörter und sogar Farben erinnere ich mich an sie und sie taucht in meinen Gedanken auf. Weh tut es, weil ich weiß, dass ich sie nur da sehen und hören kann: in meinen Gedanken.

Wenn ich mir momentan etwas für meine Zukunft wünsche, dann, dass ich an sie denken kann, ohne dass mir dabei ein Stich durchs Herz geht. Anstatt Schmerz zu empfinden, möchte ich lernen, diese Erinnerungen zu genießen. Denn ich habe nur gute Erinnerungen an sie und es ist im Grunde eine schlimme Sache, eine Schande, dass ich mich bei einer Erinnerung an sie nicht gut fühlen kann.


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