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Port Elizabeth

Geografische Lage
Kontinent:Afrika
Staat:Südafrika
Provinz:Ostkap
Distrikt:Nelson Mandela Bay
Daten & Fakten
Höhenlage:0-60 m ü. NN
Fläche:1845 km²
Küste:16 km
Einwohnerzahl:1244900
Gründungsjahr:1820
Flughafen:Port Elizabeth Airport

Loc’tion

6. Mai 2012 : | Geschrieben von

Es ist Mai und die Mitte des Jahres 2012 ist verdammt nahe!

Unfassbar, auch hier in SA vergeht die Zeit schnell. Sehr schnell. Zu schnell!

Bald ist ein Jashr um, und ich werde wieder zurück kommen.

 

Und ich werde einiges zu berichten haben. Auch wenn ich hier wöchentlich was schreibe, sind noch immer viele Erinnerungen unverbalisiert und die meisten Fotos sind ungezeigt.

 

Seit einem Monat nun habe ich eine neue Aufgabe.

Ich besuche jedes Masifunde-Patenkind zu Hause. Dafür bin ich nicht mehr im Homework Club…

 

Zweimal im Jahr bekommen die Paten in Deutschland einen Bericht über ihr Patenkind. Ich schrieb bereits im Dezember solche Patenberichte, keine leichte Aufgabe gewesen für mich! Denn erstens war ich neu, ich kannte die Kinder noch nicht so gut und zweitens war gerade ein schlimmer Vorfall in meiner Familie passiert, weswegen ich Zeit verloren hatte. Ich hatte dennoch versucht, so wenig Zeit es geht für mich persönlich zu nehmen, um das, was geschehen war, zu verarbeiten. Ich war nur kurz in Deutschland gewesen, und habe mich direkt, als ich wieder in SA ankam an die Arbeit gemacht. Leider konnte ich die „verlorene“ Zeit nicht mehr aufholen, trotz Überstunden und Doppelarbeitens während des Summer Camps und schließlich bekam ich einen Rüffel vom deutschen Team. Gut. Gegessen und jetzt wurscht.

 

Bisher waren die Patenberichte ein Update über die schulischen Leistungen der Kinder, dieses Mal sollten kleine Homestories entstehen, die dem Paten einen Einblick in das Leben des Kindes geben, wie es außerhalb der Schule leibt und lebt.

Loc’tion ist übrigens die umgangssprachliche Bezeichnung für das Walmer Township, die von seinen Bewohnern verwendet wird.

Ein Patenkind mit ihrer besten Freundin, die ihre Cousine ist - wahnsinig süße Mädels!

Ein Patenkind mit ihrer besten Freundin, die ihre Cousine ist - wahnsinnig süße Mädels!

 

 

 

 

 

Prädestiniert als Ethnologin bin ich also diejenige, die die Kids in ihre Freizeit begleitet. Und das ist richtig spannend!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun sehe ich noch andere Teile vom Township und bekomme einen Einblick in das Leben, wie es sich im Township gestaltet. Es ist zwar nicht so, dass ich diesen Einblich bisher gar nicht gehabt habe, dennoch lerne ich dazu.

 

Abgesehen davon, dass im Township Armut herrscht, leben die Menschen hier sehr unterschiedlich in Armut:

Viele Frauen Nähen für einen Nebenverdienst. Oder auch für überhaupt einen Verdienst, natürlich...

Viele Frauen nähen für einen Nebenverdienst. Oder auch für überhaupt einen Verdienst, natürlich...

 

 

 

Bei einem Kind war ich Zuhause. Ein recht großes Steinhaus, zwei Kinder im Haus, jedes hat sein eigenes Zimmer. Ein Bad und fließendes Wasser im Haus. Beide Eltern sind berufstätig und haben neben dem Hauptjob noch weitere kleine Jobs, die ein recht angenehmes Leben ermöglichen. So ist immer genügend Essen vorhanden, zwei Fernseher und sogar ein Internet-Anschluss. Bitte nicht denken, dass es Unsinn wäre von Masifunde, dieses Kind zu unterstützen! Denn eine Schule wie diese, auf die es durch Masi gehen kann, könnte sich die Familie niemals leisten. Schulbildung ist teuer in SA!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier wohnt eine neun-köpfige Familie...

Hier wohnt eine neun-köpfige Familie...

 

Daneben, gibt es Kinder, die in sogenannten Shacks wohnen, also Häusern aus Wellblech und Holz, die noch nicht mal einen eigenen Stromanschluss haben. Der Strom kommt in solch einem Fall aus der Nachbarschaft über unglaublich lange Kabel, die einfach über die Straße verlegt sind. Abgesehen davon natürlich, dass dies im Grunde Diebstahl und illegal ist, ist es auch gefährlich! Die Isolierung der Verlängerungskabel ist fadenscheinig bis nicht durchgehend existent, da Autos und Karren drüberfahren und täglich zig Leute drüberlatschen. Anfang des Jahres starb ein Kind an einem Stromschlag als es mal wieder tagelang geregent hatte, die Straßen überflutet waren und der Kabelsalat in den Pfützen rumlag… Und dies passiert immer wieder!

Weiterhin sind die meisten Häuser, die ich besuche, ohne Wasseranschluss. In diesen Fällen befinden sich die Toiletten im Garten. In so einem Hüttchen, wie wir noch die Plumsklos mit Herzchen in der Tür kennen. Es sind dann meist aber keine Plumpsklos, schon richtige Toiletten mit Wasserspülung. Was aber dann wiederum oftmals Programm ist, ist, dass wenn es der nächstgelegene Abwasserkanal verstopft ist – und das ist auch gaaanz oft der Fall – dann wirkt die Klospülung umgekehrt und das Wasser fließt aus der Toilette heraus und setzt alles unter Wasser. Ist die Toilette dicht am Haus gelegen, dann fließt das Klowasser auch ins Haus hinein. BÄHHH?! Ja, sehr wohl! Aber Alltag für verdammt viele Menschen hier!

Shack mit Mietern im Hinterhof

Shack mit Mietern im Hinterhof

 

 

Was ich auch immer wieder sehe sind Steinhäuser, die in ihren Hintergarten noch weitere Shacks stehen haben, die an Leute vermietet werden. Das sind dann also Landbesitzer, die ihre Einkommen durch eine eingehende Miete aus den Mini-Shacks stabilisieren.

 

 

 

 

 

 

 

Oh, ich liebe diese Palme! Ein Haus noch aus Großvaters Zeiten..

Oh, ich liebe diese Palme! Ein Haus noch aus Großvaters Zeiten..

 

Aber ob nun Shack oder Steinhaus, bisher habe ich mich in noch keinen Haus unwohl gefühlt. Es wohnen Menschen darin, sie verbringen dort ihr Leben. Es sind Bilder von den Kindern und Familienangehörigen an den Wänden, die Küche zeigt, dass dort leckeres Essen zubereitet wird (sofern man Gekd für die Zutaten hat..), die Wäscheleinen tragen frischgewaschene Wäsche, es ist gepflegt, sauber und ordentlich. Vielleicht sind die Wände ungestrichen und der blanke Stein ist zu sehen, der Fußboden aus PVC- Stücken zusammengeklebt, die Möbel alt und abgenutzt, aber es ist das Heim der Kinder und sie zeigen es mir nicht ohne Stolz. Auch wenn sie sich mit ihren Eltern ein Bett teilen, so schlafen sie darin gut und fühlen sich behütet und gut umsorgt.

 

 

Und sie alle wissen aber, dass die Umstände, in denen sie leben, arme sind. Denn sie schauen die gleichen Filme und Serien wie wir. Sie wissen, dass Menschen an einem anderen Ort ganz andere Vorraussetzungen genießen, einen ganz anderen Zugang zu einer guten Zukunft haben.

Aber, und das find ich ganz klasse von unseren Patenkindern: Sie sind motiviert. Wenn alles gut geht, haben wir in 20 Jahren ganz viele Ärzte, Piloten, Anwälte und Geschäftsleute, die ihre Kindheit im Walmer Township verbracht haben..

 

Ich wünsche allen Schützlingen von Masifunde Erfolg und Glück für ihre Zukunft!

 

Wer eine Patenschaft für ein paar Kröten im Monat übernehmen möchte oder etwas – ob nun Geld oder Kleidung oder sonstiges – spenden möchte, sage mir bitte Bescheid.

daniela@masifunde.de

"Smile!  ...And maybe tomorrow, you'll find that life is still worthwihle..." (lyrics M.Jackson "Smile")

"Smile! ...And maybe tomorrow, you'll find that life is still worthwihle..." (lyrics M.Jackson "Smile")

 

 

 

Masifunde ist am wachsen und jährlich suchen wir neue Kinder im Kindergartenalter aus und werden dementsprechend nie genügend Paten für die kleinen Racker haben!


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2 Kommentare zu “Loc’tion”

  1. Angie Arnold schrieb am 14. Mai 2012 um 04:16 Uhr:

    sehr gut geschrieben…aeusserst einleuchtend…


  2. Udo Köhler schrieb am 6. Mai 2012 um 19:10 Uhr:

    Hallo geliebte Nichte,
    das ist mal wieder ein Bericht, bei dem man einige Eindrücke bekommt. Danke schön dafür. Viele liebe Grüße aus Germany
    Dein Onkelchen


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