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Port Elizabeth

Geografische Lage
Kontinent:Afrika
Staat:Südafrika
Provinz:Ostkap
Distrikt:Nelson Mandela Bay
Daten & Fakten
Höhenlage:0-60 m ü. NN
Fläche:1845 km²
Küste:16 km
Einwohnerzahl:1244900
Gründungsjahr:1820
Flughafen:Port Elizabeth Airport

Kultur hier, Kultur da..

24. Februar 2012 : | Geschrieben von

Deutschland.
Ich wurde in einem Land geboren und großgezogen, indem ich mich als Mensch gut entwickeln konnte. In dem ich mich als Frau frei und sicher und gut entwickeln kann. In dem ich Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und relativer chancengleichheit habe.
Unsere Gesellschaft ist ziemlich aufgeklärt, es herrscht ein offener Umgang mit dem Thema Sex, Aufklärung und Verhütung. Eine Beziehung zu führen ist nicht an die Ehe gekettet, moralisch ist es akzeptabel, einen Lebensgefährten auch ohne Hochzeit zu haben.

Nun, und als Frau kann man sich eigentlich kleiden, wie es einem beliebt. Ganz klar gibt es Trends und ohne Mode geht es scheinbar auch eh nicht, aber ich als Frau muss mich keinen besonderen Regeln unterwerfen, die mich arg in meiner Entscheidungsfreiheit vor Schrank und Spiegel einschränken. So kann ich denn also im Minirock, Trägeroberteil und High Heels – sollte mir das behagen – auf der Zeil mit dem Partner händchenhaltend spazieren gehen und ihm gerne auch einen Kuss geben, wenn’s mir passt. Leute würden an uns vorbei gehen und sich weiter nichts dabei denken.
Nun, in der Community, in der ich mich bewege, würde man mit solch einem Verhalten anecken:
Es spielen moralische Vorstellungen eine Rolle, wie man sein Privatleben und das Auftreten in der Öffentlichkeit handhabt: Es gehört sich nicht, Privates nach Außen zu tragen. Ob es nun ein Kuss in der Öffentlichkeit ist, Sorgen und Nöte oder Trauer. Privat ist privat, das Zeigen dessen in der Öffentlichkeit wird als indiskret angesehen und als anstößig und unangenehm empfunden. Das Verhalten dem Partner gegenüber bleibt in der Öffentlichkeit weitestgehend neutral und in unserem Verständnis vielleicht sogar kalt. Aus Repekt den Eltern und aber auch den Mitmenschen gegenüber werden keine Küsse und andere Zärtlichkeiten ausgetauscht. Während ich es gewohnt bin, dass man sich auch mal bei der Arbeitskollegin über den letzten Streit mit dem Partner oder komische Macken des Partners auskotzt, gilt hier eher Verschwiegengheit, aus Respekt dem Partner gegenüber. Repekt also. Ein großes Wort und hoch angesehen. Ich persönlich habe damit kein Problem. Doch wenn man dies nicht weiß, kann man ein Problem bekommen, dies habe ich beobachten können. Nicht zuletzt kennen wir es von Klatsch und Tratsch – Medien, dass uns die Präsens und das Leben unserer Mitmenschen ganz besonders dann interessiert, sobald etwas von der Norm abweichendes geschieht. Hier in der Community würde also ebenso geredet werden, was ganz klar an den Ruf geht.

Für den deutschen Freigeist kann es schon passieren, dass man Grenzen aufgezeigt bekommt.. Die Alters-Hierarchie ist hier auch etwas ausgeprägter, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Wichtig ist es, dass man älteren Menschen respektvoll begegnet. Manchmal keine leichte Aufgabe für uns junge deutsche Freiwillige, die mit Kindern zusammenarbeiten und daher hin und wieder mit den Eltern Gespräche führen müssen.. Aber im Grunde geht nicht nur uns das so, sondern auch den locals, die auf jeden Fall jünger sind als ich – anfang, mitte zwanzig. Auch sie finden sich immer wieder in Situationen wieder, in denen sie mit Eltern von Kindern reden müssen. Dabei – so berichten meine Arbeitskollegen – spüren sie oftmals, dass die Eltern nicht genau wissen, weswegen dieser Jungspunt nun meint, so reden zu dürfen. Nicht immer einfach!
Ich ahbe schon ein paar eben diese Ordnung angetastet und mich quasi „daneben benommen“: Zanele, meine Arbeitskollegin, die mir vorgesetzt ist und der ich mit meiner Arbeit neben dem Homework Club eine Hilfestellung bieten soll, ist zehn Jahre älter als ich. In meinem Verständnis ist das kein besonders großer Altersunterschied. Ich mag sie gerne, wir haben ein gutes Verhältnis und lachen viel. Manchmal gehen meine Scherze zu weit (wie, weiß ich ja auch nicht immer, ich find mich und meine Witze einfach amüsant) oder ich zweifle Dinge an, die sie sagt oder macht, und dann haben wir den Salat. Nicht witzig, Daniela oder respektlos, Daniela. Die Schwierigkeit dabei ist, dass ich das die längste Zeit gar nicht von ihr gesagt bekam. Ich konnte es nur an ihrer Reaktion ablesen. Was macht man dann? Sich erstmal komisch fühlen, vielleicht etwas beschämt, je nachdem wie die Reaktion ausfiel und wie viele Leute es mitbekamen, die im besten Falle natürlich ebenfalls bestürtzt über mein „rude behaviour“ waren. Joa, also: Nachfragen: „Wat los?“, drüber nachdenken und sich dann erklären und entschuldigen, da mans ja doch gar nicht bös‘ oder respektlos gemeint hat. Ist alles kein Beinbruch, solange man miteinander redet und nichts einfach im Raum stehen lässt, ist schnell der Schwamm drüber und es kann weiter gehen.

Ich bin nun seit vier Monaten hier und es passiert immer wieder, dass ich aus Versehen etwas falsch mache. Aus meiner kulturellen Prägung heraus und der meiner Kollegen lässt sich dies nicht vermeiden. In diesem Sinne hatten wir vor ein paar Tagen einen Workshop für uns Mitarbeiter zum Thema Interkulturalität im Büro abgehalten. Es macht definitv Sinn, da wir ein internationales Team sind. Im Alltag kann es wie gesagt leicht zu Missverständnissen kommen. Der Workshop sollte uns zum Einen eine Unterstützung sein, sich darüber bewusst zu werden, dass Missverständnisse auftauchen können und zum Anderen ein Werkzeug sein, mit solchen Missverständnissen umzugehen und sie abzubauen.
Nun, ich habe ja schon ein paar Mal erwähnt, dass ich ein tolles Team an Arbeitskollegen habe und auch jetzt wieder ist es nur Recht, dies noch einmal hervorzuheben! Vom Feedback ausgehend, dass die Leutz‘ zum Ende des Workshop gaben, ist das Ziel des Seminares erreicht worden und kann tatsächlich als gelungen bezeichnet werden.

Es folgen nun ein paar Impressionen aus der Walmer Location. Die Fotos entstanden während einer Township Tour, die wir für die neuen internationalen Studenten gemacht haben.

Huhn mit Kindern auf dem Kirchengelände

Huhn mit Kindern auf dem Kirchengelände


Freaky Mensch, der auf ein Bild wollte...

Freaky Mensch, der auf ein Bild wollte...


Mh, ja. Frau an Baum würd' ich sagen.

Mh, ja. Frau an Baum würd' ich sagen.


... wollten auch gerne fotografiert werden...

... wollten auch gerne fotografiert werden...


Und da haben wir es wieder: Coca Cola...

Und da haben wir es wieder: Coca Cola...


Voll schön!

Voll schön!


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2 Kommentare zu “Kultur hier, Kultur da..”

  1. angie. mom schrieb am 26. Februar 2012 um 05:06 Uhr:

    Halloechen,
    Das kann jedem in eiem fremden land passieren…solange man es sieht i.d dran arbeitet,wird.alles gut.


  2. Udo Köhler schrieb am 25. Februar 2012 um 18:16 Uhr:

    Hallo Dani,
    immer wenn verschiedene Kulturen aufeinander treffen, muss man sich an gewissen Verhaltensweisen gewöhnen. Man muss heraus finden, wie der andere gepolt ist und muss dabei sehr diplomatisch vorgehen. Andere Kulturkreise bedeuten anderes Verhalten. Die Aufnahmefähigkeit vorausgesetzt. Ich habe nicht viel Afrikanische Kollegen/innen, jedoch merke auch ich, dass diese eine andere Verhaltensweise an den Tag legen. Sie sind meist sehr zurückhaltend. Wenn man sie dann näher kennen lernt, kommen sie auch aus sich heraus und witzeln dann fast genauso wie ich. Grins
    Ich wünsche dir noch eine aufregende Zeit 😉
    Dein Onkelchen


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