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Port Elizabeth

Geografische Lage
Kontinent:Afrika
Staat:Südafrika
Provinz:Ostkap
Distrikt:Nelson Mandela Bay
Daten & Fakten
Höhenlage:0-60 m ü. NN
Fläche:1845 km²
Küste:16 km
Einwohnerzahl:1244900
Gründungsjahr:1820
Flughafen:Port Elizabeth Airport

Intlambapeki

17. Februar 2012 : | Geschrieben von

Am Wochenende waren wir zu einem Ritual eingeladen, dass die Trauerphase um eine verstorbene Person beendet. Vor ein paar Monaten waren zwei Schwestern gestorben, die Großmutter und Großtante einer meiner Arbeitskolleginnen. Nun war es soweit, mit einer Zeremonie die Trauerzeit zu beenden. Intlambapeki bedeutet auf englisch so viel wie „washing the tools“ und mit „tools“ sind die Werkzeuge gebraucht, die man braucht, um das Grab auszuheben. Es ist nicht wortwörtlich zu verstehen: Nicht wirklich werden die Werkzeuge gewaschen, im übertragenen Sinne wäscht man sich rein von der Trauer, lässt sie hinter sich.

Es war eine kleine Zeremonie mit wenig Aufwand. Sie fand in Grahamstown statt. Dort wohnt der Großteil der Familie in zwei kleinen Häusern, sich gegenüberliegend in der gleichen Straße. In einem Township von Grahamstown gelegen.

Dieses Township war ganz anders als unseres. Wird wohl daran liegen, dass Grahamstown an sich eine Kleinstadt, wohingegend PE ja schon eine Millionenstadt ist. Demenstprechend hektisch und belebt ist unseres.

Nun, ich war überwältigt von der Stille dort. Wir vier saßen viel draußen in der Sonne und halfen streckenweise mit, das Essen zuzubereiten: Hähnchen, Kürbisbrei, Spinat, Samp und Kartoffeln. Lecker!

Das Ritual war besonders an die Frauen gerichtet. Es wurden die Klamotten der verstorbenen Frauen unter den Familienmitgliedern aufgeteilt. Mit Tanz und Gesang einigten sich die Frauen darüber, wer welches Kleidungsstück haben kann. Friedlich, keine Streitereien. Die Kleidung wurde auf dem Boden ausgebreitet, rundherum standen die Frauen und wenn sie ein Kleidungsstück sahen, dass sie gerne haben mochten, erklärten sie, welche Erinnerung an die Verstorbene ihnen dabei in den Kopf kommt.
Tanzend und Singend gingen sie schließlich aus dem Zimmer heraus und versammelten sich im Wohnzimmer, in dem die Männer bereits warteten.

Dort fand der zweite und gleichzeitig der Schlussakt statt. Umqombothi, selbstgebrautes Bier aus Mais, wurde in große Blechdosen gefüllt und jeder hatte nun einen Schluck davon zu nehmen, anschließend einen Shot Brandy. Und beides knallt, hehe. Uns wurde gezeigt, dass man die Dose Bier auf den Boden stellt, sich mit einem Bein auf dem Boden hinkniet und das Bier ansetzt. Ein paar Schlucke trinken und dann wieder zurück auf den Boden stellen, damit der Nächste in gleicher Weise das Bier trinken kann.

Jeder, der mochte, konnte eine kleine Ansprache zu den Verstorbenen halten. Dabei fiel mir auf, dass jeder Redner sich eine Jacke über die Schulter warf. Auch hier wurde wieder getanzt und gesungen. Zwar verstehe ich isiXhosa nicht und kann daher nicht sagen, was die genauen Worte waren, die gesungen und gesagt wurden, doch sagte mir mein Gefühl, dass es keine traurigen Worte waren. Es war eine heitere Stimmung. Die Erinenrungen waren sicherlich gute und schöne, solche, die die Verstorbenen in guter und positiver Erinnerung halten.

Ich persönlich fand die Zeremonie toll und habe überlegt, ob wir Ähnliches auch in unserer Kultur haben.
Haben wir?

Ich habe auch schon überlegt, was mit all den Klamotten meiner Oma geschehen soll. Die Art und Weise, wie hier damit umgegangen wird, hat mich inspiririert. Ich finde es sehr liebevoll und hoffe, dass meine Familie vielleicht Ähnliches machen kann. Gerade die friedliche Übereinkunft, wer sich was nimmt, finde ich sehr beispielhaft. Ich kenne es nämlich auch, dass sich Familienmitglieder wegen dem Erbe zerstreiten und Missmut aufkommt, weil ich Dieser oder Jener übervorteilt fühlt.

In diesem Sinne fand ich diese Tradition der Xhosa wirklich interessant.
Nebenbei unterhielt ich mich mit dem Sohn einer der Verstobenen. Wir sprachen über kulturelle Unterschiede. Unterschiede zwischen der europäischen und der Xhosa-Kultur aber auch zwischen den verschiedenen Ethnien, die hier in SA leben. Und all diese haben ihren eigenen kulturellen Hintergrund. So ist es also für die Menschen in SA ein stetes Lernen, sofern sie bereit sind, dafür offen zu sein.

Auf dem Friedhof zu beerdigen ist nicht in allen Kulturen gängig. Je nachdem kann es auch sein, dass die Verstobenen Zuhause beerdigt werden. In unserer Kultur unvorstellbar und per legis verboten. Noch nicht mal Haustiere darf man im Garten vergraben, soweit ich weiß. Dies ist für Sotho, Zulu und Teile der Xhosa zum Beispiel wiederum unvorstellbar. In ihren Augen ist es so, dass die Hausbewohner da begraben liegen, wo sie hingehören: Zuhause, auf ihrem Grund und Boden.
Für mich eine ungewohnte Vorstellung, doch durchaus nachvollziehbar.

Das Haus

Das Haus


Wie kann bei diesem Anblick kein Gefühl von Idylle aufkommen?!

Wie kann bei diesem Anblick kein Gefühl von Idylle aufkommen?!


Die ausgestellten Klamotten werden ausgesucht...

Die ausgestellten Klamotten werden ausgesucht...


... um sich danach im Wohnzimmer zu treffen, anzustoßen und eine kleine Rede zu halten (wie der stehender Mann im Hintergrund)

... um sich danach im Wohnzimmer zu treffen, anzustoßen und eine kleine Rede zu halten (wie der stehender Mann im Hintergrund)


Und so wird's gemacht

Und so wird's gemacht


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4 Kommentare zu “Intlambapeki”

  1. Udo Köhler schrieb am 25. Februar 2012 um 18:28 Uhr:

    Ich meine natürlich nicht mit dem Ritual des Maisbieres! 😉
    Auch meinte ich Wissbegierig! 😉 Aber du hast das sicher freundlicherweise überlesen! 😉 lach
    Bis bald


  2. Udo Köhler schrieb am 25. Februar 2012 um 18:27 Uhr:

    Hallo Dani,
    ich habe mal wieder, neugierig wie ich bin, nachgeschaut, was Umqombothi auf deutsch übersetzt heißt und welche Bedeutung das Wort hat. Und du wirst es kaum glauben, aber es steht für traditionelles Bier, aber auch für Schmutzwasser; Abwasser. Mit diesem Wissen würde ich davon nun nichts mehr trinken wollen. Lach
    Du hast nicht geschrieben, wie das Bier nun wirklich geschmeckt hat, aber ich glaube, daß ich das nun auch nicht mehr wissen will! 😉 lach
    Mit den Klamotten von Oma, werden wir uns etwas einfallen lassen, wenn du wieder zuhause bist. Ich denke, das es eine gute Idee wäre, es wie die Xhosa zu machen.
    In diesem Sinne bleibe Wissensgierig.
    Vermisse dich.
    Udo


  3. Daniela schrieb am 20. Februar 2012 um 10:58 Uhr:

    ja, definitiv. es macht spaß und ist spannend!
    sorry dafür, dass ich geizig mit fotos von mir bin.. 🙂


  4. angie. mom schrieb am 18. Februar 2012 um 18:28 Uhr:

    Endlich mal ein picture von dir. Muss wohl riesigen spass machen,diese unterschiedlichen gewohnheiten kennen zu lernen. Macht mir hier auch immernoch spass…


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