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Port Elizabeth

Geografische Lage
Kontinent:Afrika
Staat:Südafrika
Provinz:Ostkap
Distrikt:Nelson Mandela Bay
Daten & Fakten
Höhenlage:0-60 m ü. NN
Fläche:1845 km²
Küste:16 km
Einwohnerzahl:1244900
Gründungsjahr:1820
Flughafen:Port Elizabeth Airport

„In den Busch gehen“

2. Dezember 2011 : | Geschrieben von

Oha, es ist Dezember!
Das bedeutet dann unterm Strich, dass in einem Monat Januar ist, mein Freund dann Geburtstag hat, zu diesem ich nicht da sein werde. Dann kommt der Februar, in dem mein Papa Geburtstag hat und der März, in dem mein Opa Geburtstag hat. Und ich bin dann nicht da.
Aber auch zu Weihnachten bin ich nicht da, zu Sylvester nicht, zu Ostern nicht. Und auch zu meinem so unglaublich runden Geburtstag werde ich nicht in Deutschland sein.

Liebe Familie, ihr wisst schon, dass das bedeutet, dass ich das Jahr darauf aber ganz schön viele Geschenke bekommen muss!

Hehe.

Spaß beiseite, hab momentan Heimweh und das musste mal raus. Da ich so gelobt wurde für meinen witzigen Schreibstil, nun möchte ich einfach nur mal anmerken, dass mir hier nicht nur die Sonne ausm Bobbes scheint…

Gut, eine passende Überleitung find ich jetzt nicht zum Thema des Tages, dann kommts jetzt halt recht plump:

Mir ist zu Ohren gekommen, dass es in der Xhosa-Kultur traditionelle Riten gibt, die ein Junge durchgeht, um zum Mann zu werden.
Bei allem wurde mir gegenüber mehrmals betont, es handele sich dabei um eine Tradition, die ganz und gar den Xhosa-Leuten eigen ist, sollte Ähnliches woanders auch vorkommen, ist es von den Xhosa geklaut. So wurde es mir gesagt. So sag ich das jetzt euch.

Im Grunde entscheidet also die Familie den Zeitpunkt, an dem der Ritus stattfinden wird. Wenn es heißt „ XY geht in den Busch“, weiß ich mittlerweile Bescheid, dass es um eben jenen Ritus geht. Momentan höre ich das von verschiedenen Seiten, ist wohl grad günstig, in den Busch zu gehen, da jetzt Sommerferien sind und das Wetter ja auch besser wird. (Naja, das wohl eher in der Theorie! Heute zum Beipiel war Sonnenschein, Wolkenmasse, Gewitter, Regen, alles dabei. Wie das Wetter gestern war, weiß ich schon nicht mehr, aber im Zweifel bestimmt so wie heute – von Allem etwas. Nein, mal ganz im Ernst, das Wetter sollte eigentlich nun wirklich Sommer sein, ist es aber einfach nicht! Ich für meinen Teil gehe am Wochenende Allwetter-Kleidung kaufen, damit dieses Rätseln nach dem passenden Outfit für den Tag ein Ende hat. So und an dieser Stelle einen schönen Gruß nach Köln! Da wohnt eine Person, die sich immer über mich lustig macht, weil ich so gerne übers Wetter spreche…)

Na denn. Dann mal von Vorne.

Familie entscheidet also, nicht der Knabe. Der Knabe ist um die 17/18 Jahre alt. In der Nacht, bevor der Knabe loszieht, gibt es eine kleine Feier. Es wird getanzt, gesungen, getrunken. Dies wird gemacht, damit die Ahnen aufmerksam werden und auf den Knaben die Zeit über im Busch aufpassen werden. Dann folgt die Beschneidung. Sie wird ohne Betäubung ohne Desinfektion oder ähnliches durchgeführt. Alles wird rituell sorgsam verbunden. Die Vorhaut, nun auf sich alleine gestellt, darf Niemandem in die Finger kommen. Es besteht dabei die Gefahr, jemand könne damit einen bösen Zauber treiben und dem Jungen schaden, so dass es zwei verschiedene Varianten gibt, wie mit der Vorhaut umgegangen wird. Zum Einen wurde mir erzählt, dass ein Lagerfeuer gemacht wird, dass die Nacht während der Feier brennt. Ein langer Stock wird genommen und mit diesem wird dann die Vorhaut für alle Zeiten unter dem Feuer ganz tief in die Erde gestoßen, so dass niemals Jemand da ran kommen kann. Zum Anderen wurde mir aber auch erzählt, und teilweise hatten die Erzähler selbst dies auch so gemacht, dass es Manche gibt, denen es zu unsicher ist, die Vorhaut zu vergraben. In diesem Fall wird der Junge seine Vorhaut schlucken.
Der Junge bricht in den Busch auf, wie lange, variiert, aber was ich erzählt bekam, war zwischen 3 und 6 Wochen. In dieser Zeit darf er nur von männlichen Menschen besucht werden. Ein Junge bringt ihm jeden Tag Essen von der Familie, das auschließlich von Frauen zubereitet sein darf. Zudem darf es kein Fleisch und keinerlei Gewürze enthalten. Es sei wichtig für den Heilungsprozess. Die ganze Zeit über ist der Junge auf sich gestellt, und muss seine Wunde selbst pflegen und dafür sorgen, dass sie sauber ist und gut abheilen kann. Erst an dem Tag, an dem bestätigt ist, dass die Wunde verheilt ist, gibt es für den Jungen im Busch ein kleines Fest. Es heißt „Umojiso“. Zu diesem Fest darf jeder, auch Frauen, ihm Essen in den Busch bringen. Es wird zu diesem Zweck eine Ziege oder ein Schaf geschlachtet, von dem er auch essen kann. Auch sind die Gerichte dann wieder ganz normal gewürzt, da ja nun der Heilungsprozess abgeschlossen ist. Bald darauf kehrt der nun Mann zurück und es wird ein großes Fest veranstaltet.

Dieser Inititiationsritus nennt sich auf isiXhosa „Ulwaluko“ und bedeutet übersetzt so viel wie going to initiation school. Wie mir erklärt wurde, liegt der Sinn dabei darin, dass es dem Knaben helfe, zum Mann zu werden. Als Knabe habe man noch Flausen im Kopf, würde sich kindisch, unachtsam, dumm verhalten, aber mit der Beschneidung und der Zeit im Busch würde eine Entwicklung vor sich gehen. Dieser schlimme Schmerz, der mit nichts Anderem zu vergleichen sei, sei ein Schmez, den Mann nie wieder vergesse, und den Mann nie wieder spüren möchte. Das bestätigten mir alle. (Das kann ich mir gut vorstellen.) Jemand erklärte es mir mit folgenden Worten: „Als ich ein Knabe war, habe ich viele Dummheiten gemacht. Dann kam Ulwaluko. Dieser Schmerz… Nie wieder möchte ich mich knabenhaft verhalten. Ich bin jetzt ein Mann, und weiß, wie ich mich zu verhalten und was ich zu tun habe.“

Normalerweise ist das kein Thema, in das Frauen eingweiht werden. Es ist Männersache. Xhosa-Frauen wissen gewöhlich sehr wenig darüber, mir wurde erklärt, weil die Frauen sonst niemals ihren Sohn in den Busch schicken würden. (Klingt weise..)
Ein Xhosa-Mann würde es also versuchen zu vermeiden, mit einer Xhosa-Frau freiwillig von sich aus über dieses Thema zu reden. Da ich aber eine Weiße bin, hat man mir das gerne erzählt und sich auch etwas über mein zuerst schockiertes Gesicht amüsiert.

Mit Einigen Männern konnte ich eine recht gute Unterhaltung darüber führen. Denn mir brannten einige Fragen auf der Seele: Möchtest du, dass das dein Sohn auch ohne Betäubung macht? Ohne sterile Messer? Alle mit dem selben Messer?
Denn letztlich sind schon einige Jungs an Sepsis erkrankt und gestorben. Nicht nur unreine Messer und Sepsis ist eine Gefahr, auch HIV. Meist sind es mehrere Jungs, die zusammen beschnitten werden und gemeinsam in den Busch gehen.

Dies ist eine aktuelle und kontorverse Diskussion, die bei den Xhosa läuft und es gibt zwei Lager: Männer, die traditionell denken, würden einen Jungen, der sich beim Arzt beschneiden lässt und dann in den Busch geht und das sonstige Prozedere ganz wie gewohnt absolviert, nicht als Mann akzeptieren. Aber die Moderne zeigt vielen jungen Männern, dass es auch mit minderem Schmerz und weniger gefährlich ablaufen kann.
Ich bin gespannt, wie sich diese Dikussion lösen lässt!


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2 Kommentare zu “„In den Busch gehen“”

  1. Angie Arnold schrieb am 5. Dezember 2011 um 06:17 Uhr:

    Tachchen Tochter,
    Ja da bleibt einem ja das essen im halse stecken: fortschritt iss nich,gelle?? bin echt gespannt was dabei raus kommt. ich denke man sollte den jungs die entscheidung ueberlassen…ist ja deren body…
    viele grueese aus dem fernen america
    mom und Peter


  2. Udo schrieb am 2. Dezember 2011 um 09:11 Uhr:

    Hallo Danni,
    leider ist die Beschneidung in Afrikanischen und Asiatischen Ländern weit verbreitet. Sowohl Frauen, als auch Männer werden immer noch nach rituellen, teilweise grausamen Weisen beschnitten, sodass die Gefahr der Sepsis, als auch HIV-Übertragung sehr hoch angesiedelt ist. Es gibt sehr viele, sowohl Weise, als auch Schwarze Gruppierungen, die gegen diese Rituale sind. Durch deren Initiativen wurden bereits in Ghana, Benin und in großen Teilen der Staaten Gabun und Kamerun diese Beschneidungen abgeschafft. Auch in anderen Teilen Afrikas sind diese Gruppen aktiv, jedoch nicht so erfolgreich. Den Ältesten eines Dorfes ist es ein Bedürfnis, dieses und andere Rituale durchzuführen, sodass die Traditionen aufrecht erhalten werden. In weiten Teilen Nigerias wurden Kampagnen durchgeführt, die teilweise so anklng fanden, daß sich die Kinder mittlerweile selbst entscheiden dürfen, ob dieses Ritual durchgeführt wird. Und zu meiner Überaschung gibt es noch immer einen Großteil, die das machen möchten. Ich denke, daß hier starke Einwirkungen durch Überredung von Dorfältesten vorgenommen wird.
    Die Wahrscheinlichkeit, diese Rituale gänzlich niederzulegen, liegt bei 72% (Quelle: Spiegel). Eine erschreckend hohe Zahl derjenigen, die dieses Ritual dennoch machen wollen, oder?
    Jetzt mal zu deinem ersten Absatz. Dir ist sicherlich auch klar, daß WIR in dieser Zeit auch Weihnachten, Geburtstag (den ich übrigens am 20. 02 habe)(Daniel hat heite) , Ostern usw. haben. Sammel also schonmal;) Ich mag unter anderem auch Masken und andere Holzschnitzereien aus Afrika! Megalach
    VLG von deim Onkel


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