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Port Elizabeth

Geografische Lage
Kontinent:Afrika
Staat:Südafrika
Provinz:Ostkap
Distrikt:Nelson Mandela Bay
Daten & Fakten
Höhenlage:0-60 m ü. NN
Fläche:1845 km²
Küste:16 km
Einwohnerzahl:1244900
Gründungsjahr:1820
Flughafen:Port Elizabeth Airport

Eine Flut und ein Protest

4. November 2012 : | Geschrieben von

Oder: Auf dem Boden schlafen ist cool!

Die ersten zwei Monate im Walmer Township sind vorbei gerast – wie zwei Wimpernschläge. Zack und vorbei. Unsere kleine Wohnung dort ist schon zur Heimat geworden. In meinem kleinen Zimmerchen hat alles seinen Platz gefunden. Die Bilder hängen, das Bett ist gemütlich, doch unser liebster WG-Treffpunkt bleibt die Küche. Da drehen wir gerne Adele auf, um uns unseren Nachbarn anzupassen. Adele ist hier neben Whitney Houston und African House der Kassenschlager! Um uns herum lebt das Township, Hähne krähen und Minitaxis hupen. Am Sonntag hört man stundenlange Kirchengesänge (ungefähr jedes vierte Haus ist hier eine Kirche). Der Wind rattert an den Fenstern. Wir haben zwar Gitterstäbe vor den Fenstern, aber ein gemütliches Zimmer mit Kerzen und warmen Tee reichen zum wohl fühlen!

Mittlerweile können wir auch schon im Hof in der Sonne sitzen. Das wäre vor zwei Wochen  noch nicht möglich gewesen. Da stand das Wasser knöcheltief vor unserer Haustür. Es hatte zwei Wochen lang durchgeschüttet. Die Flut zerstörte viele Straßen und Häuser in Port Elizabeth und Umgebung. An einem Samstagabend bahnte sich unser VW-Chico den Weg durch fast metertiefe Pfützen. Wir konnten schließlich nicht zurück ins Township fahren, da ein reißender Fluss die zwei einzigen Zufahrten versperrte. So fanden wir nach einer 50 Kilometer langen Irrfahrt durch die Stadt Unterschlupf bei den Masifunde-Studenten, die in der Nähe der Uni wohnen. Auch im Büro stand der Hof vor dem Eingang komplett unter Wasser. Erst nach einigen regenfreien Tagen konnten wir trockenen Fußes zur Arbeit kommen. Der Oktober 2012 geht als nassester Oktober in die Geschichte von Port Elizabeth ein.

Der Regen hat aufgehört, aber anderer Unmut macht sich im Township breit: Die Bewohner streiken. Sie wollen mehr Wohnraum und eine bessere Infrastruktur. Seit dem letzten Regen sind die Straßen von Schlaglöchern übersät. Sie fordern Taten von der Stadt. Dabei blockieren sie die Straßen und hindern andere Bewohner daran, zur Arbeit zu gehen. Ein politisch brisantes Thema, das auch im Masifunde-Büro zu einigen Diskussionen geführt hat. Für uns persönlich bedeuten die Proteste erneute Ausquartierung. Zum Einen weil die Zufahrten zum Township blockiert werden und wir uns sonst zuhause hätten einschließen müssen, zum Andern weil wir auffallen und die Menge nicht provozieren wollen. Für zwei Tage haben wir im Office geschlafen – der Teppichboden dort ist zwar staubig, aber komfortabel.

Von den Protesten haben wir nur die Gesänge der Toyetoyes (Protestgesänge) im Office wahrgenommen, zum Vorbeifahren und Gucken war die Situation zu angespannt. Der Zeitung konnte man am nächsten Tag entnehmen, dass die Proteste ziemlich heftig waren. In einer Woche will die Stadt ein Konzept präsentieren, bis dahin ist erstmal Ruhe.

Freitagabend stehen wir wieder in unserer eigenen Küche und reflektieren das Erlebte. Insgesamt fühlen wir uns sicher im Township. Ich laufe tagsüber durch die Straßen, ich bleibe alleine zuhause. Die Umgebung ist vertraut und man trifft so manche bekannten Gesichter auf der Straße. Natürlich gibt es Ausnahmesituationen wie die Fluten oder den Streik, aber wir konnten dank unserer lokalen Vernetzung richtig reagieren und so haben wir uns nie wirklich unwohl gefühlt. Ich finde es viel wichtiger, zu verstehen, warum die Menschen protestieren.

Und noch etwas habe ich gelernt: Auf dem Boden zu schlafen ist bequemer als ich dachte!


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