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Port Elizabeth

Geografische Lage
Kontinent:Afrika
Staat:Südafrika
Provinz:Ostkap
Distrikt:Nelson Mandela Bay
Daten & Fakten
Höhenlage:0-60 m ü. NN
Fläche:1845 km²
Küste:16 km
Einwohnerzahl:1244900
Gründungsjahr:1820
Flughafen:Port Elizabeth Airport

Die Rückkehr der Xhosa-Männer aus dem Busch

10. Februar 2013 : | Geschrieben von

Molweni aus Walmer Location 🙂

Heute geht es um ein Thema, dass bereits schon einmal in diesem Blog Gehör gefunden hat : Die Zeremonie zum Erwachsenewerden eines Xhosa-Jungen. Daniela hat bereit zu diesem Thema geschrieben, allerdings hat sie sich darauf konzentriert was genau passiert, wenn die Jungs in den Busch gehen. Worauf ich nun den Fokus legen möchte ist alles was darum herum passiert. Vor allem was danach passiert, denn das ist auch wahnsinnig spannend und gibt einen schönen Einblick in die Werte der Xhosa- Kultur.

Wie Daniela bereits erklärt hat, geht ein Xhosa-Junge, wenn er von seinem Vater als bereit empfunden wird, für rund einen Monat in den Busch und wird dort beschnitten. Außerdem geht er durch eine Art Schule dort, um auf das Leben eines Mannes vorbereitet zu werden. Aber was passiert danach ?

Die Zeremonie

Die jungen Männer kommen immer an einem Samstag aus dem Busch zurück. An dem Freitag davor beginnt bereits die traditionelle Zeremonie. Frauen und Mädchen aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis versammeln sich in dem Zimmer des Jungen (das vollständig leer steht, da er all seine Sachen aus der Kindheit weggeben muss) und singen traditionelle Lieder, trinken traditionelles Bier und stellen die ganze Nacht eine rote Farbe her (Imbola), die der junge Mann für die ersten 3 Monate nach dem Busch auf dem Gesicht tragen muss. Samstag morgens wird der junge Mann dann von anderen Männern aus dem Busch abgeholt und verbrennt, bevor er den Busch verlässt, ein kleines Miniaturhaus, dass er dort gebastelt hat und welches sein bisheriges Leben als Kind symbolisiert. Die Männer bringen ihn dann nach Hause, wo er als erstes in den Garten gebracht wird. Im Garten der meisten Xhosa-Familien gibt es einen kleinen abgetrennten Bereich, früher der Stall für Vieh, in dem sie angeblich am besten mit ihren Vorfahren Kontakt aufnehmen können. Dort steht auch ein Pfahl auf dem die Hörner aller Tiere, die die Familie für die Vorfahren bereits geschlachtet hat, aufgehängt werden. Dort spricht der junge Mann dann mit seinen Vorfahren und erhält weiteren Rat für das Leben als erwachsener Mann. Danach geht er in sein altes Zimmer. Sobald er das Zimmer betritt, in dem sich immer noch die Frauen befinden, darf seine Schwester ihm eine Ohrfeige geben, die er als Mann ohne sich zu beklagen hinnehmen muss.  Da der junge Mann für einen Tag die Farbe (Imbola) am kompletten Körper tragen muss (danach nur noch im Gesicht) trägt seine Schwester ihm, der nur mit einem Lendenschurz bekleidet ist, die Imbola bis zur Hüfte auf den ganzen Oberkörper auf. Den Rest des Körpers bedeckt er selbst mit Farbe, da die Frauen seinen Intimbereich nicht zu sehen bekommen sollen. Den Rest des Samstags muss der junge Mann dann auf einer traditionellen Matte sitzen (scheinbar ein sehr unbequemer Spaß) und Verwandte und Bekannte kommen zu Besuch und bringen Geschenke vorbei (Klamotten, Einrichtungsgegenstände etc.). Am Sonntag muss er dann baden und zieht zum ersten Mal seine neuen Klamotten an.

Die Regeln

Nachdem der Mann aus dem Busch kommt, gibt es jede Menge Regeln, an die er sich in der ersten Zeit halten muss. Hier ein kleiner Überblick:

  • Er muss für die ersten 3 Monate Imbola, eine rote Farbe auf dem Gesich tragen und danach für 3 weitere Monate eine braune Farbe, die Isbindi
  • Alle seine alten „Kinderklamotten“ werden weggeschmissen und er darf nur noch seine neuen Klamotten tragen, die meistens aus einer ordentlichen Hose, Hemd, Weste und Jacke, sowie Baskenmütze besteht
  • Er darf nicht alleine laufen
  • Er darf nur mit anderen Männern, die bereits im Busch waren laufen
  • Er darf sich beim Laufen nicht plötzlich umdrehen und zurückgehen – er muss stets weiter laufen (bedeutet, wenn ihn jemand ruft, kann er sich nicht einfach umdrehen und kurz zurücklaufen, sondern muss bei der nächsten Strasse abbiegen und dann um einige Ecken wieder zurück zu der Person laufen)
  • Es dürfen keine Fotos von ihm gemacht werden (wie ihr sehen könnt, werden nicht immer alle Regeln so ernst genommen)
  • Er darf nicht in Clubs hineingehen
  • Er darf nicht schwimmen (wahrscheinlich auch aus hygienischen Gründen)
  • Er wird nun Bhuti genannt (bzw.im Township wird oft statt der Kombination Bhuti+Name nur ta+Name verwendet, da es schlicht kürzer ist)
  • Sie müssen Frauen besonderen Respekt entgegen bringen
    • Wenn eine Frau sie um etwas bittet, müssen sie es ohne zu zögern ausführen
    • Sie müssen ältere Frauen Sissi nennen und auch sie werden nun von jüngeren Frauen und Männern Bhuti genannt

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass ihnen im Bush eine Art „Geheimsprache“ beigebracht wird. Dadurch können andere Männer, die jungen Männer, die grade aus dem Busch gekommen sind auf offener Straße ansprechen und nach dem Wissen der Regeln befragen. Wenn ein junger Mann nun eine Regel nicht mehr kennt oder sogar eine von ihnen gebrochen hat, hat der Mann die Freiheit, den jungen Mann zu bestrafen. Die Strafe darf der Mann selbstständig bestimmen. Die Ausführung dieser Regel hat wohl schon des öfteren für junge Männer fatal geendet. Wie auch in Deutschland trifft Tradition und Moderne auch hier des Öfteren aufeinander und es entstehen immer wieder Diskussionen. Dem jungem Mann auf dem Foto zum Beispiel wurde ihm in der Schule verboten, die traditionelle Farbe auf dem Gesicht zu tragen. Unter dem Druck moderner Gegebenheiten lockern sich auch bei dieser Tradition langsam die Regeln und es entsteht eine etwas modifizierte Version der ursprünglichen Riten.


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