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Port Elizabeth

Geografische Lage
Kontinent:Afrika
Staat:Südafrika
Provinz:Ostkap
Distrikt:Nelson Mandela Bay
Daten & Fakten
Höhenlage:0-60 m ü. NN
Fläche:1845 km²
Küste:16 km
Einwohnerzahl:1244900
Gründungsjahr:1820
Flughafen:Port Elizabeth Airport

Da gibt’s was auf die Ohren!

23. März 2012 : | Geschrieben von

Habe ich schonmal erwähnt, dass es in meinem Township laut ist?
Laut ist natürlich auch Ansichtssache und ist relativ. Es bellen Hunde und die Tavernen spielen laute Musik, bevorzugt abends. Und unser Nachbar hört sich irgendeinen Gottesdienst im Radio, TV oder weiß der Geier an, auf jeden Fall ist es laut. Und zu den besten Uhrzeiten, wie zum Beispeil Samstag morgens.

Vor ein paar Tagen bemerkte ich, dass um die Ecke bei uns auf einem recht großen Stück Rasen ein riesen Zelt aufgebaut wurde. Ein riesen Zelt! Man könnte durchaus einen Zirkus drinne stattfinden lassen. Ist aber kein Zirkus! Meine Neugierde wuchs zuerst, was es wohl sein mag. Schlug dann aber um in – nun, sagen wir, eine Befürchtung. Ja, und es ist tatsächlich ein Zelt, in dem bis Ostern regelmäßig ein Gottesdienst stattfinden wird.
Allabendlich. Prost Mahlzeit, muss ich leider sagen.
Bitte versteht mich mich nicht falsch. Ich bin kein Unmensch und vor Allem kein Antichrist. Ich bin auch absolut pro religionsfreiheit. Nicht für die Freiheit von der Religion, sondern tatsächlich finde ich, dass man den Menschen ihre Religion lassen sollte. Ich finde, Jeder sollte das glauben dürfen, was er möchte, solange es nicht menschen- und frauenverachtent, diskriminierend, sexistisch oder rassistisch ist. Schließlich sollte jeder Mensch ja glücklich werden in seinem Leben und wenn der Glaube eben dazugehört, dann sollte er dazugehören dürfen. Ohne dass man sich dafür schämen muss, oder um sein Leben bangen muss.
Gleichzeitig finde ich aber auch, dass Jemand, der sich entscheidet, keiner Religion anzugehören, ebenso akzeptiert und respektiert werden muss. Er sollte nicht von überzeugten Gläubigen zugeschwatzt werden. Wenn das sein Weg im Leben ist, sollte er ihm gelassen werden. Nur ein kleiner Diskurs in meine Gedankenwelt.
Worauf ich hinaus möchte ist, dass dieses Zelt nicht ohne ist.
Gegen Abend, es ist noch hell, noch wärmt die Sonne, man kommt nach Hause, streckt die Glieder für einen Moment auf dem Bett und überlegt sich, was man sich demnächst Leckeres in dem Rachen schieben kann und wie genau das Entertainment für den wirklich verdienten Feierabend aussieht und dann – fängt es an: Das Keyboard. Der fromme Musikant haut in die Tasten und der Gottesdienst ist eröffnet. Die Lautsprecher..Dass man noch drei Straßen weiter Wort für Wort dem Gottesdienst folgen kann wird wohl an der Größe der Boxen liegen. Würde man die Boxen der Taverne um die Ecke mit denen des Zeltes vergleichen – keine Chance gegen die Lautsprecher des Gotteszeltes! Wahnsinn!
Leider findet hier kein Gottesdienst à la Sister Act mit Gospel statt. Es ist knallharte Predigt unterstrichen mit einem immer wiederkehrenden Motiv, das auf dem Keyboard gespielt wird. Ja, es wird auch gesungen. Aber es ist auf isiXhosa und ich verstehe kein Wort. Und dennoch: Die Predigten wirken auf mich deprimierend und aggresivierend zugleich. Der Priester steigert sich wahnsinnig in seiner Lautstärke und seinem Tempo, zu sprechen. Dann dazu das Keyboardgedudel und ich möchte wieder zurück auf die Arbeit. Und ich sagte allabendlich, grob zwischen sechs und zehn Uhr.
Würde sich eine Taverne trauen, in solch einer Lautstärke Musik zm Besten zu geben, wäre hier die Hölle heiß (vorzügliche Wortwahl, wie ich finde)!
So, es muss mal raus. Bitte denkt jetzt nicht, die Südafrikaner im Township haben einen Schaden! Nicht alle sind in dem Zelt, genügend Einheimische sind ebenso angenervt und können Ostern kaum abwarten. Denn dann wird es wieder ruhig werden. Das Zelt wird abgebaut werden und gut ist.
Dann hat die Taverne wieder die Vormachtstellung! Dann ist sie wieder die Lauteste! Im Moment läuft ein kleiner Wettstreit zwischen Gotteszelt und Taverne: Beide geben ihr Bestes. Wobei beide ihren eigenen „Kundenstamm“ haben, den sie sich auch nicht gegenseitig abspenstig machen können. Dennoch kann es nur einen Lautesten geben!

Mir wurde erklärt, dass in den paar Wochen bis Ostern mit dem täglich stattfindenden Gottesdienst versucht wird, das Schlechte zu vertreiben, das sich hier im Township eingenistet hat. Nennen wir’s beim Namen und sagen’s laut heraus: der Teufel. Er soll raus aus der Walmer Location. Softer Exorzismus. Wenn sich mein mittelaltes Gehirn richtig erinnert, dann habe ich jeden Abend Weinen gehört. Das bedeutet für mich, dass der Gottesdienst den Menschen, die ihn besuchen, hilft. Sie können das rauslassen, was an Schlechtem in ihnen lässt: Schmerz, Kummer, Wut, raus und weg damit!
Leider geht’s auf die Hörknospen.. Aber meine Geduld ist noch nicht am Ende. Noch ertrage ich es, gucke dann halt eben meinen Film über Kopfhörer, dreh die Musik besonders laut und ein wenig Meckern über die Lautstärke aus dem Gottestzelt in der Runde ist gesellig und verbindet. Also hat Jeder was davon, ob nun im Zelt oder Zuhause. Und irgendwann ist’s ja dann still und ruhig. Wie sonst sollte man auch die Stille beziehungsweise die Taverne zu schätzen wissen? Es sind doch immer die Gegensätze, die sich gegenseitig ihre Existenz sichern: oben/unten, gut/böse, schwarz/weiß und eben auch laut/leise oder Taverne/Gotteszelt (ich mache nur Spaß!!) 🙂

Und da ist es! Das Zelt, in dem allabendlcih beinah ein lautstarker Gottesdienst stattfindet.

Und da ist es! Das Zelt, in dem allabendlcih beinah ein lautstarker Gottesdienst stattfindet.


Machen Krach für 300 Menschen!

Machen Krach für 300 Menschen!


So bestellt man in der Taverne etwas zu Trinken..

So bestellt man in der Taverne etwas zu Trinken..


Über den Dächern der Location-Häuser erkennt man die Taverne an ihrer steten Rauchfahne. Hiermit wird's möglich.

Über den Dächern der Location-Häuser erkennt man die Taverne an ihrer steten Rauchfahne. Hiermit wird's möglich.


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3 Kommentare zu “Da gibt’s was auf die Ohren!”

  1. Angie Arnold schrieb am 31. März 2012 um 03:27 Uhr:

    vorzueglich geschrieben….


  2. Udo Köhler schrieb am 23. März 2012 um 17:11 Uhr:

    Bei diesem Thema sind meine Finger schneller als ich denke 😉 Eingeschlichene Fehler sind künstlerische Darstellungen 😉


  3. Udo Köhler schrieb am 23. März 2012 um 17:09 Uhr:

    Hallo Danni,
    ich kann nachvollziehen, dass dir das ganze auf den Keks geht. Allerdings ist es in der westlichen Welt nunmal so, dass die „Kätzer und Nichtchristen“ dazu gebracht werden sollen, an Gott und dem dazugehörigen Kram (Kirche) zu glauben. Dies führt dazu, dass gerade in Ländern mit einem hohen Armut die Kirche einen sehr hohen Stellenwert hat. Nichtchristen oder andersdenkende Personen werden nicht akzeptiert. Solche „Rituale“ werden unter der Bezeichnung „Teufelsaustreibung“ sehr stark forciert. Du weißt, dass ich absolut gegen die Kirche und ihre Machenschaften bin. Dennoch habe ich einen Gott und glaube an ihn. Die Kirche das größte Wirtschaftsunternehmen der Erde und beutet seine Mitglieder immer mehr aus. Aber das ist ein anderes Thema.
    Hätte da einen Tipp für dich, wie du diesen Orgelleierkasten ausser Betrieb setzen könntest. Schütte mal Wasser auf die Stromkästen! Megagrins 😉
    Es kommt ja doch auch recht häufig zu Stromausfällen bei euch, wieso also nicht auch auf Göttlicher Ebene? hahaha!
    VLG an dich


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