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Port Elizabeth

Geografische Lage
Kontinent:Afrika
Staat:Südafrika
Provinz:Ostkap
Distrikt:Nelson Mandela Bay
Daten & Fakten
Höhenlage:0-60 m ü. NN
Fläche:1845 km²
Küste:16 km
Einwohnerzahl:1244900
Gründungsjahr:1820
Flughafen:Port Elizabeth Airport

„Lass mich deine Familie kennenlernen!“

8. Dezember 2011 : | Geschrieben von

Auf geht’s zur Msebenzi!

Am vergangenen Samstag waren wir zu einer Festlichkeit geladen! Es war eine traditionelle Einführung des künftigen Ehemannes in die Familie der Frau. Nennt sich Msebenzi.

Es ging um zehn Uhr morgens los, wir waren gegen 12 Uhr da, haben uns mal an die african time gehalten, hehe.

North meets south...

North meets south...


Spektakulär war schon das Zurechtmachen für die Feier. Ganz streng genommen hätten wir Unverheirateten da gar nicht aufkreuzen dürfen, es wurde eine Ausnahme gemacht. Aber an die Kleidungsregeln mussten wir uns halten: Rock und Kopftuch. Zudem haben wir uns Punkte ins Gesicht gemalt, hat in diesem Sinne keine Bedeutung, nur zur Zierde. Und wie es uns geziert hat! Alle waren ganz begeistert von uns Mädels in Röcken und Kleidern, mit Tüchern auf dem Kopf trapiert und den eben besagten Punkten im Gesicht. Man war sehr stolz auf uns und lobte uns, dass wir uns soviel Mühe gegeben hatten. 🙂

Msebenzi ist, wie schon kurz angerissen, die Einführung des künftigen Bräutigams in die Familie der Frau. Genaugenommen in die Familie des Vaters der Braut.
In unserem Kulturkreis läuft das ja eher so ab, dass man irgendwann in einer Beziehung an dem Punkt ankommt, an dem man der Familie des Partners vorgestellt wird.
Msebenzi ist das Gegenstück dazu, allerdings nicht ganz so locker und es steht ja auch die Hochzeit schon im Raum, in greifbarer Nähe.

Ein Teil der Msebenzi war eine Zeremonie, während der einige Familienangehörige ein paar Wörter sprachen. Für das Brautpaar, Tipps und Tricks für eine erfolgreiche Ehe und ein harmonisches Miteinander. Dabei wurde jedesmal, bevor ein Sprecher seine Rede begann, ein Lied gesungen, in welchem dieser kurz vorgestellt wurde. Abgrundet wurden die Ansprachen und die Gesänge mit Sprüchen und Zitaten aus der Bibel.
Da der Bräutigam Europäer ist, und dementsprechend viele Europäer und Deutsche da waren, wurde alles auf isiXhosa und auf Englisch vorgetragen.
Super klasse! Ich fand es total toll, wie sehr sich die Familie auf die multi-kulturelle Situation einließ.

Für mich persönlich gab es zwei Highlights:

Das Schlachten eines Schafes und das Essen, das direkt danach serviert wurde.

Das Schaf

Das Schaf


Das mit dem Schaf hatte folgendes auf sich:
Der Bräutigam wurde also mit der Msebenzi in die Familie seiner Zukünftigen zusammengeführt (auch wenn sich alle schon vorher kannten, der Ritus ist halt eben so) und er wurde in diese Familie eingeführt als ein neues Familienmitglied. Da jede Familie eigene Ahnen hat, die aufpassen und über die Familie wachen, so musste auch das neue Familienmitglied den Ahnen vorgestellt werden. Und dies geschah durch die Schlachtung des Schafes. Armes Vieh, aber tapfer wars!
Ich kann euch das so genau sagen, da ich mich in die erste Reihe gedrängelt hatte, um auch ja nix zu verpassen!
Ich hätte gedacht, dass mir schlecht wird oder zumindest mal mulmig im Magen.. Ganz im Gegenteil, ich war total fasziniert und konnte voll nicht meinen Blick abwenden!
Der Bräutigam macht den ersten Schnitt – zack mit dem Messer die Kehle durch. Ein wenig Blut ging auf den Boden, für die Ahnen, und der Rest wurde in einer Schüssel aufgefangen. Ich muss ja nu nicht zu sehr in Detail gehen, aber innerhalb von nur zehn Minuten war das Schaf in seine Einzelteile zerlegt und quasi fertig für den Kochtopf.
Und da kam es dann auch tatsächlich hin. Für den Bräutigam ist ein Teil einer Schulter reserviert. Dieser Leckerbissen ist ihm zugeteilt, weiß nicht warum, aber mir wurde erklärt, dass es so sei.
Der Rest wurde gekocht und zubereitet und wurde dann am nächsten Tag gegessen. Restlos. Alles.

Mhhh... da köchelt das Rindfleisch!

Mhhh... da köchelt das Rindfleisch!


Das Essen.. im Vordergrund mein Teller :)

Das Essen.. im Vordergrund mein Teller 🙂


Während also das Schaf gekocht wurde, saßen wir im Zelt und aßen ein unglaublich leckeres Essen. Es gab Reis, und Samp – eine Art Reis, eine Mischung aus Reis, Mais und Bohne. Weiterhin gab es Kartoffeln, Bohnengemüse, Spinat, Kürbis, Möhren, Rote Beete, Salat, Rindfleisch und Hähnchen. Dazu Saft und Cola. Zum Nachtisch gab es Obstsalat mit Vanille-Custard (Vanille-Soße).
Natürlich gab es auch selbstgebrautes Bier, allerdings bekommt mich so schnell keiner mehr dazu, das zu trinken…
Nach dem Essen, als es dann dem Abend entgegenging, wurden die Alkoholika rausgeholt. Ein Jeder eigentlich hatte als Geschenk Brandy, Whisky, Wodka, Rum, und anderen Schnapps mitgebracht. DAS ALLES wurde dann den Abend über konsumiert – so der Plan, und ich bin mir sicher, der Plan ging auch auf. Dies ist eine Info, die ich euch nicht aus erster Hand geben kann, da wir gegen 18:30 Uhr den Heimweg antraten… Nüchtern, aber zufrieden und mit Köpfen voll von neuen Eindrücken und Bildern, die überwältigend waren.

Noch Fragen??!

Die Damen, die das Essen zubereiteten

Die Damen, die das Essen zubereiteten


alle warten aufs Schlachten. Meine Mitbewohnerin und ich beobachten gerade das Schaf..

alle warten aufs Schlachten. Meine Mitbewohnerin und ich beobachten gerade das Schaf..


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3 Kommentare zu “„Lass mich deine Familie kennenlernen!“”

  1. Angie Arnold schrieb am 19. Dezember 2011 um 15:32 Uhr:

    War ein toller Bericht. Wieder mal faststisch geschrieben. By the way: Du siehst gut aus mit Deinem „african hat“ ( wie heisst das eigentlich??) (Turban?).
    Hab weiterhin Spass. Und Froehliche Weihnachten!!!!
    Mom & Peter


  2. Udo schrieb am 8. Dezember 2011 um 12:13 Uhr:

    Und wieder ein schöner Bericht. Das liest sich so, als ob ihr da unten nur am feiern seid. Lach
    Wünsch dir weiterhin viel Spaß.
    Lg von Andrea und mir


  3. Sindy schrieb am 8. Dezember 2011 um 11:38 Uhr:

    Vielen Dank für den schönen Bericht. Da lacht mein Ethnologen-Herz 🙂


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